
Das Raster und die Idee
Eixample Dreta entstand aus Ildefons Cerdàs visionärem Stadtplan von 1860 — einer radikalen Neugestaltung Barcelonas als rationales, egalitäres Raster aus achteckigen Häuserblocks mit abgeschrägten Ecken, breiten Boulevards und Innengärten. Was Cerdà als demokratische Stadt für die Arbeiterklasse entwarf, wurde innerhalb einer Generation zum Schaustück des katalanischen Modernisme. Die Architekten, die ihn prägten — Gaudí, Domènech i Montaner, Puig i Cadafalch — hinterließen eine Konzentration ornamentaler Architektur, die in Europa ihresgleichen sucht, und verwandelten ein utilitaristisches Raster in eines der architektonisch gefeiertsten Viertel der Welt.
Die Architektur
Die Manzana de la Discordia verkörpert den Geist dieser Epoche: ein einziger Block am Passeig de Gràcia mit drei Meisterwerken von drei verschiedenen Architekten — Casa Lleó Morera, Casa Amatller und Casa Batlló — in bewusstem architektonischem Wettbewerb. Einige Blocks weiter nördlich steht La Pedrera, von Gaudí 1912 fertiggestellt, deren wellenförmige Steinfassade und das Dach mit kriegerisch anmutenden Schornsteinen noch heute so beeindruckend sind wie damals, als die Nachbarn sie in verblüfftem Protest „den Steinbruch“ nannten. Dies sind keine bloßen Touristenattraktionen. Sie sind das, was man auf dem Weg zum Bäcker sieht.
Jenseits der Monumente belohnt das Viertel langsames Erkunden. Die Carrer d'Enric Granados — zur Fußgängerzone umgestaltet und mit Bäumen bepflanzt — ist eine der schönsten Straßen der Stadt für ein ausgedehntes Mittagessen; ihre Café-Terrassen sind ab mittags von Menschen belebt, die in der Nähe wohnen, nicht von Durchreisenden. Der Mercat de la Concepció in der Carrer d'Aragó ist ein Arbeitsmarkt, der das Viertel versorgt. Die Fundació Antoni Tàpies, in einem umgebauten Modernista-Verlagshaus wenige Gehminuten entfernt, ist eines der besten Einzelkünstlermuseen der Stadt und zuverlässig wenig besucht. Dies sind die Texturen des Alltags in einem Viertel, das sich nicht für Besucher inszenieren muss, weil seine Qualität inhärent ist.
Das tägliche Leben
Die Gastronomie ist die ernsthafteste in Barcelona. Lasarte hält drei Michelin-Sterne. Disfrutar erscheint regelmäßig auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt. Cinc Sentits ist präzise und persönlich zugleich. Aber das Viertel trägt auch Dutzende exzellenter lokaler Restaurants — die Art, wo dieselben Tische jeden Donnerstag von denselben Menschen besetzt sind, wo die Speisekarte mit dem Markt wechselt und die Weinkarte echtes Wissen widerspiegelt. Ein Viertel mit dieser Dichte guter Restaurants auf jedem Niveau ist im vollen Sinne des Wortes ein gutes Viertel.
Denkmalschutz und Renovierung
Immobilien hier sind die begehrtesten der Stadt, und die Nachfrage ist strukturell gerechtfertigt. Das charakteristische Produkt ist die Finca-Regia-Wohnung — prächtige Wohngebäude aus der Modernista-Epoche, typischerweise mit Deckenhöhen von vier bis fünf Metern, originalen Hydraulikfliesen- oder Holzböden, ornamentalem Stuckwerk und großzügigen Raumproportionen. Diese Wohnungen wurden nach einem Materialstandard gebaut, der im Wesentlichen nicht reproduzierbar ist. Hauptstraßen erzielen die höchsten Werte der Stadt; Nebenstraßen bieten dieselben Grundstrukturen zu einem zugänglicheren Einstiegspunkt. Die Renovierungsfrage ist wichtig: Viele Wohnungen kommen im Originalzustand auf den Markt, mit erhaltenen Böden und Stuckarbeiten, aber veralteten Systemen. Eine gründliche Renovierung ist gut investiertes Geld — eine gut restaurierte Originalwohnung erzielt eine deutliche Prämie gegenüber einer schlecht renovierten, die seit Jahren auf dem Markt ist.
Der Immobilienmarkt
Die Touristenpräsenz am Passeig de Gràcia und rund um die großen Monumente ist im Sommer erheblich. Dies sollte klar anerkannt werden: Käufer, die empfindlich auf Fußgängerverkehr vor ihrer Haustür reagieren, sollten Straßen parallel zum Boulevard betrachten, wo der Wohncharakter erhalten ist und die Touristendichte minimal ist. Drei U-Bahn-Linien kreuzen das Viertel; der Flughafenbus hält am Passeig de Gràcia; die Fußläufigkeit zum Rest der Stadt ist nahezu vollständig.